XXI. Olympische Winterspiele Vancouver 2010



Michael Uhrmann führt deutsche Skispringer zu Silber

Die deutschen Skispringer überraschen im Team-Wettbewerb mit dem zweiten Platz hinter Österreich.



Zum Schluss war es nur noch eine Nervenprobe - aber der Bayerwald-Adler Michael Uhrmann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem weiten Satz auf 140 Meter sicherte er dem deutschen Skisprung-Team eine Silbermedaille, mit der niemand gerechnet hatte. "Das ist sicherlich der größte Erfolg, an dem das ganze Team beteiligt war. Ich bin stolz auf diese Mannschaft und freue mich, der Chef dieses Teams zu sein", sagte Bundestrainer Werner Schuster.
Michael Neumayer, Andreas Wank, Martin Schmitt und Michael Uhrmann gewannen am 22. Februar 2010 als Zweite die erhoffte Medaille. Gold ging an die Topfavoriten aus Österreich, die seit 2005 alle wichtigen Team-Wettbewerbe gewonnen haben. Bronze holte Norwegen. Bayerwald-Adler Michael Uhrmann aus Rastbüchl trug maßgeblich zum Erfolg des deutschen Quartetts bei: Er legte zwei hervorragende Sprünge hin und zeigte mentale Stärke, als er vor dem zweiten Sprung wegen zu starken Windes warten musste.




Uhrmann: Sein Silber glänzt wie Gold


Der persönliche Triumph des Bayerwald-Adlers - jetzt will er weitermachen

Typisch Uhri: Während Martin Schmitt im Überschwang die Freundin aus dem Bett klingelte, gab sich der Bayerwald-Adler nach dem Silberflug cool und gelassen.
"Ich genieße diesen emotionalen Moment innerlich", beschied Michael Uhrmann (31) bei der abendlichen Stippvisite im Deutschen Haus von Whistler. Dabei hätte der Schlussspringer der deutschen Skisprung-Staffel allen Grund zu Euphorie gehabt - gerade er.
Im Wettbewerb von der Normalschanze hatte der Breitenberg, wie schon vier Jahre zuvor in Turin, eine olympische Einzel-Medaille knapp verpasst, und nach dem verpatzten Auftritt der DSV-Springer tags zuvor auf der Großschanze hatte Uhrmann die Sorge vor möglichen Konsequenzen in der Team-Entscheidung umgetrieben ("Drei von uns haben heute nicht unbedingt Selbstbewusstsein gesammtelt"). Gemeint hatte er mit dieser vorsichtigen Mahnung auch sich selbst, doch als es darauf ankam, war er derjenige, der die beste Leistung zeigte: Nachdem er wegen Windunterbrechungen minutenlang auf seinen letzten Sprung hatte warten müssen, behielt Uhrmann die Nerven und sicherte den zweiten Platz hinter den überragenden Österreichern und vor den bedrohlich nahe gekommenen Norwegern.
Lange hatte das Skispringen MIchael Uhrmann warten lassen. Vor acht Jahren hatte er als 23 Jahre alter Joungster schon einen wesentlichen Beitrag zum Team-Gold geleistet, doch seinen großen, persönlichen olympischen Moment erlebte er am Dienstag in Whistler. In seinem wohl letzten Akt bei Winterspielen. In Sotschi wäre er 35. Kaum eine Wertschätzung wird Uhrmann so genossen haben wie die von Martin Schmitt. "Der Michael hat das souverän zu Ende gebracht. Ihm gilt mein spezieller Dank. Die Freude und Erleichterung ist riesengroß", sagte der Gold-Kollege von 2002, der mit seinem verpatzten zweiten Sprung die bereits sicher geglaubte Medaille aufs Spiel gesetzt hatte - und ungewollt Uhrmann die Chance zum großen olympischen Moment gab. Denn für Uhrmann hat sich ein Kreis geschlossen. "Ich bin sehr froh, dass ich Martin etwas von dem zurückgeben konnte, was er mir in all den Jahren ermöglicht hat", setzte der Bayerwald-Adler seine Top-Leistung in einen Gesamt-Zusammenhang. "In den vergangenen acht Jahren ist viel passiert", sagte er. Der Junioren-Weltmeister vom DJK-WSV Rastbüchl war eingetreten ein ein gehyptes Skispringen, das gerade den Boom als neue TV-Sportart erlebte, er wurde Zeuge des Abtritts des entkräfteten Idols Sven Hannawald. Er überholte Schmitt und ist seither die nationale Nummer 1 einer auf Normalmaß geschrumpften Wintersportart. Und jetzt der grandiose Silber-Coup.
Im Nachhinein betrachtet sieht es so aus, als sei ausgerechnet Michael Uhrmann, der Bayerwald-Adler, jene Figur, an der die jüngere Geschichte des deutschen Skispringens stellvertretend erzählt werden könnte. Für Glanz steht er nicht, der stille Familienvater mit den zwei Heimaten Breitenberg und Ruhpolding. Aber für eine stille Leidenschaft. Und beharrliche Arbeit, die im Stande ist, auch Krisen zu meistern. Wie den Mittelfußbruch bei der WM 2007 in Sapporo. Seither springt er mit Schmerzen. "Wir waren zwischendurch schon abgeschrieben", stellt Uhrmann fest. Er meint es nicht anklagend. Er kennt die Mechanismen. Aber natürlich schwingt bei all der Vorgeschichte eine Portion Genugtuung mit, wenn er sagt: "Wir drei Älteren sind richtig starke Springer". Und weil das so ist und das Silber um den Hals so verheißungsvoll glänzt, ist von einem Karriere-Ende nach dieser Saison nun auch nicht mehr die Rede.
Uhrmann will wie Michael Neumayer und Schmitt bis zur WM 2011 weitermachen - und den Generationswechsel aktiv begleiten. "Es muss weitergehen, man muss sich um den deutschen Skisprung keine Sorgen machen", sagte Uhrmann. Notfalls geht´s eine Zeitlang auch ohne echten Siegspringer - aber nicht ohne einen Uhrmann.


(Martin J. Freund, PNP Passau)





Glückwunsch von Bürgermeister Helmut Rührl an Michael:


Zu Deiner tollen Leistung beim Mannschaftsspringen, vor allem aber zum wunderbaren letzten Sprung und damit zum Gewinn der Silbermedaille möchte ich Dir namens der Bürgerinnen und Bürger Breitenbergs ganz herzlich gratulieren. Wir haben mächtig mitgebfiebert und freuen uns mit Dir über das großartige Ereignis. Wir in Breitenberg sind mächtig stolz auf Dich.

E-Mail von Bürgermeister Helmut Rührl an Michi Uhrmann vom 23.02.2010